Spenge
"Da schlummern noch Geheimnisse"
Messe "Lust auf Leben" lockt 500 Neugierige und Kundige in die Stadthalle Spenge

VON DOMINIK LENZE 

"Das ist richtige Heilmusik" | FOTO: DOMINIK LENZE

Spenge. Jörg Niechziol ist spiritueller Heiler und Lebensberater. Für Menschen. Und Tiere. "Es geht alles um Schwingungen", erklärt er und schaut seinem Gegenüber fest in die Augen: "Ich bin das Echolot, du das U-Boot", dann hebt er seine Hand. Zugegeben: Da muss man sich erstmal drauf einlassen. Aber wer’s konnte, erlebte einen interessanten und unterhaltsamen Nachmittag auf der Messe "Lust auf Leben."
Es war die fünfte Messe dieser Art. 60 Aussteller an 45 Ständen boten von Samstag bis Sonntag ein buntes Programm, für das sich nur schwer ein Oberbegriff finden lässt. Der Unkundige würde bei dem Aufgebot an Heilsängern, Schamanninnen und "energetisch gereinigtem" Schmuck an Esoterik denken. Den Ausstellern gefällt diese dann recht vorbelastete Bezeichnung weniger. 
Rosalba Üzem ist Geistheilerin und Schamanin. Gerne erklärt sie etwas genauer, was sie da eigentlich tut: "Ich kann jetzt nicht in die Zukunft sehen, und dir dann sagen, ob du einen guten Job bekommst", räumt sie mit etwaiger Scharlatanerie-Vorwürfen auf. "Aber was ich kann: Die Leute etwas aus ihrem Alltagsbewusstsein rausreißen, damit sie zu ihrer Mitte finden." Nicht in die Zukunft schaue sie, sondern in Menschen. 
Im Gespräch mit den Ausstellern fallen Begriffe wie Energie und Schwingungen. Schwingungen, die jeder Mensch, jedes Wesen, gar jeder Gegenstand ausstrahle. Und wenn mal einer schneller schwingt als andere, dann kann vielleicht ein ganz persönlicher Stein die kosmischen Wogen wieder glätten.
"Natürlich kann man sich die auch einfach kaufen, weil man sie schön findet", räumt Bettina Christians ein. Gemeinsam mit ihrem Mann verkauft sie rohe und glatt geschliffene Steine in allen Formen und Farben. 
Ähnlich sieht es "Lichtfee Silke": Sie bietet dem geneigten Besucher Heilgesänge an. Sie glaubt an kosmische Verbindungen. Daran, dass da mehr ist, als man sieht. In erster Linie treibt sie aber etwas anderes an: "Mein größter Wunsch ist, den Leuten Liebe und Frieden zu spenden." 
Sabrina Gloede, eine Besucherin der Messe, will das aus nächster Nähe erfahren: Sie nimmt Platz auf dem Stuhl, Silke stellt sich hinter sie und legt die Hände auf ihre Schultern. Dann singt sie, in hohen, filigran anmutenden Tönen. Noch schaut Sabrina etwas skeptisch. Silke beugt sich auf Augenhöhe herab, singt weiter und streicht sanft über Sabrinas Knie. Inzwischen sieht die schon wieder viel entspannter aus. Etwas komisch sei die Situation ja schon, gibt Sabrina zu. "Passiert mir ja auch nicht alle Tage", sagt sie grinsend. Und: "Aber schön singen, das kann sie wirklich." 
Der unbedarfte Besucher beschränkt sich darauf: Schöner Gesang, funkelnde Steinchen und duftende Räucherstäbchen. Aber hinter all dem Brimborium steckt eine ganze Weltanschauung: Es geht um inneren Ausgleich und um die Harmonie von innen und außen, vom Körperlichen und dem Geistigen. Ob die wundersame Lichthand des spirituellen Heilers oder die durch Gesänge aufgerufenen kosmischen Energien nun wirklich existieren, das sei dem ganz persönlichen Glauben überlassen. An den grundsätzlichen Werten von Harmonie und der Ausgeglichenheit gibt es aber nichts auszusetzen, gerade heutzutage. Stichwort: Burnout und Stresserkrankungen. 
"Das tägliche Leben ist sehr funktional", erläutert Mitveranstalterin Beate Mohrmann: "Dadurch geht Lebensqualität verloren. Wir wollen alternative Wege aufzeigen."
Heiler Jörg Niechziol hält seine Hand über die kleine Lucy. Lucy ist ein Terrier, und leidet unter Schluckbeschwerden. Niechziol ist überzeugt von dem was er tut, gibt aber stets zu bedenken: "Auch die Schulmedizin ist wichtig. Wir müssen zusammenarbeiten." Doch irgendwann stoße auch die Wissenschaft an ihre Grenzen: "90 Prozent der Umwelt können wir nicht bewusst wahrnehmen", erinnert er. "Da schlummern noch Geheimnisse."